Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie, oder auch „kognitive Verhaltenstherapie“ geht davon aus, dass psychische Beeinträchtigungen durch mehrere Faktoren hervorgerufen werden. Diese multimodalen Entstehungsmodelle beinhalten beispielsweise genetische, prä-, peri- und postnatale Faktoren, Temperamentsmerkmale, soziale Faktoren, etc...

Die Besonderheit der VT ist, dass sie davon ausgeht, dass jedes Verhalten, sei es nun erwünscht oder unerwünscht, gelernt wurde. Wir Menschen tun Dinge aus gutem Grund. Wenn jedoch ein Verhalten, ein Denkmuster oder auch Gefühlszustände, welche iregendwann einmal Sinn gemacht haben, quälend und damit nicht mehr sinnvoll für unseren Organismus sind, gilt es, diese wieder so zu verändern, dass idealerweise wieder ein Zustand mit höherer Lebensqualität erreicht wird. Eine wichtige Indikation für eine Therapie ist der individuelle Leidensdruck, entweder beim Patienten selbst, oder bei seinem Umfeld.

Eines der wichtigsten Instrumente der VT ist die sogenannte Verhaltensanalyse. Dabei geht es um den Zusammenhang zwischen Gedanken, Gefühlen und Verhalten. Niemand handelt „einfach so“. Das spezifische Denken, Fühlen und Handeln hat seine Berechtigung und hat irgendwann einmal Sinn gemacht. Nun ist dieses Verhalten jedoch unter Umständen nicht mehr zielführend und führt zu massiven Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben und zu Konflikten mit dem Umfeld.

Daher sind in der VT immer der Patient selbst und unter Umständen auch die nahen Bezugspersonen die wichtigsten Akteure. Die Therapeutin gibt Hilfestellungen dabei, einen individuellen Weg zu finden, der zu mehr Lebenszufriedenheit führen soll. Eine Therapie ist jedoch keine Beratung. Daher kann eine Psychotherapie auch sehr anstrengend sein und alle Beteiligten müssen sich unter Umständen auch darauf einstellen, dass es im Verlauf immer wieder zu Rückschritten kommen kann.

Dauer

Je nach Indikation, Störungsbild und beantragtem beziehungsweise bewilligtem Stundenkontingent kann die Dauer einer Verhaltenstherapie zwischen ca. 6 Monaten und bis zu 2 Jahren variieren. Eine bindende Aussage a priori ist nicht möglich und muss im jeweiligen individuellen Fall erörtert und gegebenenfalls auch im Laufe des Therapieprozesses angepasst werden.

Diagnostik

Die diagnostische Phase ist ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil des Behandlungsprozesses. Auch wenn viele Patienten (und deren Angehörige) zu Recht aufstöhnen, wenn diverse Test- und Fragebogenverfahren durchlaufen werden sollen, so ist dies doch ein unumgänglicher Teil des gesamten Prozederes. Die VT hat sich nämlich zum Ziel gemacht, Veränderungen konkret zu messen. Daher ist es wichtig, immer wieder eine Ist-und Sollerhebung durchzuführen. Somit ist die Eingangs-, Verlaufs- und Abschlussdiagnostik nicht nur ein wichtiges Intrument der Qualitätssicherung, sondern gewährleistet auch für den Patienten ein transparentes und nachvollziehbares Behandlungsergebnis.

Indikation

Psychotherapeuten unterscheiden sich von „Beratern“ dadurch, dass sie an der psychosomatischen Grundversorgung teilnehmen. Dies bedeutet, dass sie Patienten behandeln, also Menschen, die an einer Krankheit (im psychotherapeutischen Bereich lautet der terminus technicus leider „Störung“) leiden und daher einer Behandlung bedürfen. Die Indikation für eine Psychotherapie zu erörtern, ist ein essentieller Bestandteil der sogenannten „probatorischen Phase“. Nur, wenn nach ICD-10 (International Statistical Classification of Deseases) eine Behandlung indiziert ist, kann ein Psychotherapeut im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung als Behandler agieren. Zum Behandlungsspektrum der Praxis gehören beispielsweise Angststörungen, Depressionen, Lernstörungen, Persönlichkeitsstörungen, ADHS, Störungen im Sozialverhalten, Essstörungen etc...

Gerade an dieser Stelle ist es seitens der Praxismitarbeiter sehr wichtig, hervorzuheben, dass eine sogenannte „psychische Störung“ nicht per se eine Stigmatisierung mit sich bringen muss. Menschen, welche sich in psychotherapeutische Behandlung begeben, tätigen einen mutigen Schritt und haben den Willen, etwas in Ihrem Leben verändern zu wollen. Oftmals wird dieser Schritt durch das Umfeld mit Irritation beantwortet und nicht entsprechend gewürdigt, was dann zu Verunsicherung und Frustration führen kann. Sich selbst in seiner Entscheidung und Position dabei verortet zu wissen, ist keine leichte Aufgabe! Diesen Umstandes ist sich das Praxisteam jedoch voll bewusst und wir werden unser Bestes geben, unsere Patienten auch dahingehend optimal zu begleiten und entsprechend zu würdigen.